Beim aktuellen Projekt Arrivée in Horn fand im September 2026 die Begehung der Wohnung im Rohbau statt. Meist ist die erste Reaktion: «Es wirkt viel zu klein!»
Dieses Gefühl kennen viele Immobilienkäuferinnen und -käufer. Im Rohbau fehlen Böden, Farben, Licht und Möbel. Beton, offene Installationen und ungewohnte Proportionen erschweren die Einschätzung der späteren Raumwirkung.

Rohbauabnahme Wohnraum_Arrivée Horn_claudia winiger GmbH
Das Projekt Arrivée
Bauherrschaft: Mettler Entwickler AG, 9016 St. Gallen
Architektur: Carlos Martinez Architekten AG, 9442 Berneck
Totalunternehmerin: Ralbau AG, Hauptsitz in 7302 Landquart, Niederlassung in 9016 St. Gallen
Weshalb eine Rohbaubegehung sinnvoll ist
Die sogenannte Rohbauabnahme ermöglicht einen wichtigen Zwischenhalt. Ausführung, Pläne und vereinbarte Käuferwünsche können miteinander verglichen werden.
Geprüft werden beispielsweise:
Raumaufteilung und Masse
Positionen von Türen und Fenstern
Anschlüsse für Küche und Badezimmer
Elektroinstallationen
vereinbarte Käuferänderungen
erkennbare Abweichungen oder Mängel
In dieser Bauphase sind viele Installationen noch sichtbar. Fehler können deshalb früh erkannt und teilweise einfacher korrigiert werden.
Rechtliche Einordnung
Eine separate Rohbauabnahme ist in der Schweiz weder automatisch gesetzlich vorgeschrieben noch zwingend nach SIA 118 vorgesehen. Ob eine solche Begehung rechtliche Wirkungen hat, hängt vom konkreten Kauf- oder Werkvertrag ab.
Nach Art. 367 OR beginnt die gesetzliche Prüf- und Rügepflicht grundsätzlich mit der Ablieferung des Werkes. Eine frühere Rohbaubegehung ist daher meist eine Zwischenkontrolle und nicht automatisch die formelle Abnahme des fertigen Werkes.
Die SIA-Norm 118 regelt das Abnahmeverfahren detaillierter, gilt jedoch nur, wenn sie vertraglich vereinbart wurde. Im Protokoll sollte deshalb eindeutig stehen, ob es sich um eine Zwischenkontrolle oder um eine verbindliche Teilabnahme handelt.
Wenn Räume während der Rohbauabnahme resp. Begehung zu klein wirken
Für viele Menschen ist es schwierig, sich Räume, Proportionen und tatsächliche Grössen allein anhand eines Grundrissplans vorzustellen. Umso grösser ist die Vorfreude, wenn sie ihrem Traum vom Eigenheim bei der ersten Besichtigung einen wichtigen Schritt näherkommen. Doch dann kann es passieren, dass das zukünftige Zuhause ganz anders wirkt als in der eigenen Vorstellung und vor allem deutlich kleiner.
Dieses Gefühl ist im Rohbau nicht ungewöhnlich. Kahle Beton- und Backsteinflächen, fehlende Bodenbeläge, wenig Licht und offene Installationen bieten dem Auge kaum Orientierung. Es fehlen Farben, Materialien, Möbel und vertraute Gegenstände, mit denen wir Grössen und Abstände einschätzen. Dunkle und raue Oberflächen schlucken zudem mehr Licht und lassen Räume enger und schwerer erscheinen.
Im fertigen Raum verändern helle Farben, reflektierende Oberflächen, durchgängige Bodenbeläge, eine gute Beleuchtung und passend proportionierte Möbel die Wahrnehmung. Sie schaffen Tiefe, Orientierung und eine wohnliche Atmosphäre. Der Raum wird dadurch nicht grösser, sondern er kann sich wesentlich heller, offener und grosszügiger anfühlen.
Trotzdem sollte das erste Gefühl ernst genommen werden. Die ausgeführten Räume sind mit den Grundrissplänen und den tatsächlichen Massen abzugleichen. Dabei müssen auch Wandstärken, Installationsschächte, Einbauten, Laufwege und die geplante Möblierung berücksichtigt werden.
Ich begleite private Immobilienkäuferinnen und -käufer sowie Investoren unabhängig durch den Kauf- und Bauprozess mit Blick auf Pläne, Materialien, Kosten, Qualität und Pendenzen.

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Hinweis: Dieser Beitrag enthält allgemeine Informationen und stellt keine Rechtsberatung dar. Massgebend sind der konkrete Vertrag und die individuelle Projektsituation.


