Ein Eigenheim ist mehr als ein Kauf
Fast 60 Prozent der Menschen ohne Wohneigentum wünschen sich ein Eigenheim, zeigt eine 2025 veröffentlichte Umfrage von Raiffeisen und ZHAW. UBS schätzte 2024, dass sich nur rund 15 Prozent der Schweizer Haushalte ein Eigenheim zum damaligen Medianpreis leisten konnten. Die Zahlen betreffen unterschiedliche Gruppen und sind nicht direkt vergleichbar. Sie verdeutlichen jedoch die hohen finanziellen Hürden. [1, 2]
Für viele steht hinter dem Kauf jahrelanges Sparen, eine sorgfältige Finanzplanung und grosser beruflicher Einsatz. Neben dem Eigenkapital muss das Haushaltseinkommen die Tragbarkeit der Finanzierung ermöglichen.
Zu einer so bedeutenden Investition gehört für mich eine entsprechend hohe Dienstleistungs- und Servicequalität. Die Käuferschaft soll sich ernst genommen, verständlich informiert und verlässlich begleitet fühlen: vom ersten Verkaufsgespräch bis zur Schlüsselübergabe.
Bauprofis und Käufer zusammenbringen
Für Bauprofis sind Baubeschreibungen, Planfreigaben und Ausführungsfristen Alltag. Immobilienkäuferinnen und -käufer erleben einen solchen Prozess häufig zum ersten Mal. Was fachlich selbstverständlich erscheint, kann für sie schwer verständlich sein.
Käuferbetreuung verbindet diese Perspektiven. Sie erklärt Abläufe, nimmt Bedürfnisse auf und klärt mit den Fachverantwortlichen, welche Wünsche technisch, finanziell und terminlich umsetzbar sind. Bei Schwierigkeiten führt sie die Beteiligten zusammen und gibt sachliche Orientierung.
Erwartungen früh klären
Idealerweise beginnt Käuferbetreuung bereits während der Verkaufsverhandlungen. So werden Erwartungen und Möglichkeiten früh aufeinander abgestimmt:
Was ist gemäss Baubeschreibung im Kaufpreis enthalten?
Welche Grundriss- und Ausbauänderungen sind noch möglich?
Welche Mehr- oder Minderkosten entstehen?
Was muss bis wann entschieden werden?
Eine verschobene Kücheninsel kann beispielsweise zusätzliche Anschlüsse und Planungsarbeiten erfordern. Ein anderer Bodenbelag kann neben dem Materialpreis auch die Verlegekosten verändern. Solche Folgen sollten vor einer Freigabe verständlich aufgezeigt und dokumentiert werden.

Besprechung von Grundriss und Materialauswahl im Rahmen der Käuferbetreuung.
Mehrwert für alle Beteiligten
Für die Bauherrschaft: Klare Kommunikation und dokumentierte Entscheidungen unterstützen einen geordneten Projektverlauf, stärken das Vertrauen und können Missverständnisse früh reduzieren.
Für Bauträger, GU/TU und Architekturbüros mit Ausführung: Käuferanliegen werden gebündelt und mit Planung, Bauleitung, Lieferanten und ausführenden Unternehmen abgestimmt. Das entlastet die Projektteams und erleichtert Planung, Bestellung und Umsetzung.
Für die Käuferschaft: Eine feste Kontaktperson begleitet Entscheidungen, verfolgt offene Fragen und behält Mehr- und Minderkosten sowie Fristen im Blick. Gerade wer beruflich stark eingebunden ist, erhält dadurch wertvolle Entlastung.
Die Käuferbetreuung koordiniert diese Zusammenarbeit. Technische Prüfungen, Freigaben und Ausführung bleiben bei den zuständigen Fachverantwortlichen.

Persönlich begleiten und digital vernetzen
Wenn Pläne, Auswahlen und Freigaben über zahlreiche E-Mails verteilt sind, wird der Überblick aufwendig. Digitale Plattformen oder Apps können Dokumente, Aufgaben, Entscheidungen und Kostenstände zentral zusammenführen.
Ihr Nutzen wächst, wenn die relevanten Projektbeteiligten eingebunden sind, mit aktuellen Informationen arbeiten und klare Zuständigkeiten gelten. So ergänzen sich persönliche Betreuung und effiziente digitale Abläufe.
Käuferzufriedenheit während und unmittelbar nach dem Bauprozess
Eine standardisierte, staatliche Gesamtstatistik zur Käuferzufriedenheit während oder unmittelbar nach dem Bauprozess ist mir für die Schweiz nicht bekannt. Studien zur Wohnzufriedenheit, etwa von Wüest Partner, betrachten das bewohnte Zuhause. Daraus lässt sich nicht ableiten, wie Käufer die Kommunikation und Begleitung während der Bauphase erlebt haben. [3]
Meine Empfehlung an Bauherrschaften und Projektanbieter: Stellen Sie Ihrer Käuferschaft möglichst früh eine feste Käuferbetreuung zur Seite. Sie unterstützt die Einhaltung von Terminen, Kosten und Qualität und trägt zu einer hochwertigen Zusammenarbeit während des gesamten Projekts bei.
Die Freude am Eigenheim soll bereits während seiner Entstehung beginnen.
Häufige Fragen
Wann beginnt Käuferbetreuung?
Idealerweise während der Verkaufsverhandlungen, damit Leistungen, Ausbaumöglichkeiten und Fristen früh geklärt werden. Auch ein späterer Einstieg ist möglich.
Ersetzt sie die Bauleitung?
Die Käuferbetreuung koordiniert Käuferanliegen und deren Abstimmung mit der Projektorganisation. Die Bauleitung bleibt für ihren vereinbarten Aufgabenbereich verantwortlich.
Wer beauftragt die Käuferbetreuung?
Die Bauherrschaft oder der Projektanbieter kann sie für die Käuferschaft organisieren. Private Käufer können auch selbst eine unabhängige Begleitung mandatieren. Auftrag und Interessenvertretung werden transparent vereinbart.
Quellen
1. Raiffeisen und ZHAW - Eigenheim Wohntraum oder Vorsorgefalle, veröffentlicht am 24. April 2025; Erhebung April 2024.
2. UBS - Medienmitteilung zum Real Estate Focus 2024, 11. April 2024. Historische Schätzung, keine Erhebung für 2026.
3. Wüest Partner - Schweizer Wohnzufriedenheit Trends und Einflussfaktoren im Fokus, veröffentlicht am 16. November 2023, aktualisiert am 10. September 2024.




