Künstliche Intelligenz ist in der Jobsuche angekommen. Gemäss der AMOSA-Studie "KI in Jobsuche und Recruiting" haben 65 Prozent der befragten Stellensuchenden KI bereits im Bewerbungsprozess eingesetzt, 34 Prozent nutzen sie regelmässig. Besonders häufig kommt sie beim Erstellen und Optimieren von Lebensläufen und Motivationsschreiben zum Einsatz.[1]
Mehr Einladungen: aber keine Garantie auf eine Stelle
Die Studie zeigt einen bemerkenswerten Zusammenhang: Stellensuchende, die KI regelmässig nutzen, erhalten rund 48 Prozent mehr Einladungen zu Vorstellungsgesprächen als Personen, die darauf verzichten. Eine schnellere Rückkehr in den Arbeitsmarkt lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.[2]
KI kann eine Bewerbung sprachlich verbessern, gezielter auf eine Stelle ausrichten und die Vorbereitung erleichtern. Im persönlichen Gespräch müssen Erfahrung, Motivation und Persönlichkeit aber weiterhin überzeugen. Oder anders gesagt: KI kann die Tür öffnen - hindurchgehen muss der Mensch selbst.

Bild: KI-generiert mit OpenAI. Konzept: Claudia Winiger, claudia winiger gmbh, 2026
Wenn Bewerbungen immer ähnlicher werden
Aufseiten der Arbeitgebenden ist der Einsatz noch zurückhaltend: Erst 13 Prozent der befragten Organisationen nutzen KI im Recruiting. Für die Vorauswahl von Bewerbungen sind es lediglich knapp vier Prozent.[3]
Gleichzeitig schätzen die befragten Arbeitgebenden, dass bereits 39 Prozent der eingehenden Bewerbungen teilweise oder vollständig mit KI erstellt wurden. Mehr als die Hälfte nimmt wahr, dass Bewerbungsunterlagen zunehmend standardisiert wirken und Authentizität sowie Eigenleistung schwieriger einzuschätzen sind.[4]
Damit gewinnen persönliche Gespräche, strukturierte Interviews, Referenzen, Arbeitsproben und Begegnungen mit dem zukünftigen Team an Bedeutung.
KI sinnvoll einsetzen
Für Stellensuchende bedeutet das:
KI als Unterstützung nutzen, nicht als Ersatz für die eigene Auseinandersetzung
Inhalte prüfen und keine Erfahrungen oder Kompetenzen erfinden lassen
die persönliche Sprache, Motivation und Haltung sichtbar machen
keine vertraulichen oder unnötigen persönlichen Daten in öffentliche KI-Tools eingeben
KI auch zur Vorbereitung auf Interviews und nicht nur für Bewerbungsunterlagen einsetzen
Für Organisationen braucht es transparente Regeln, einen verantwortungsvollen Umgang mit Bewerbungsdaten und Klarheit darüber, wo KI unterstützt und wo Menschen entscheiden.
Denn die richtige Besetzung entsteht nicht durch den schönsten KI-generierten Text. Entscheidend bleibt die fachliche, menschliche und kulturelle Passung zwischen Mensch, Aufgabe, Team und Organisation.
Quelle
[1]-[4] Verband Schweizerischer Arbeitsmarktbehörden, Regionalkonferenz Ostschweiz (Hrsg.) (2026): KI in Jobsuche und Recruiting. Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau, Zug und Zürich (AMOSA), Zürich, insbesondere S. 2-16 und 21-24. Redaktion: Miriam Hofstetter, Oliver Roos und Marc Imhof. AMOSA-Projektseite zur Studie.
Methodische Einordnung: Befragt wurden 5'787 bei einem RAV gemeldete Stellensuchende sowie 663 Arbeitgebende aus der AMOSA-Region. Die Befragung der Stellensuchenden ist nach Alter, Geschlecht, Bildung und Region gewichtet. Bei der Befragung der Arbeitgebenden handelt es sich um ein nicht repräsentatives Sample. Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Rekrutierungspraxis sind eine fachliche Einordnung von Claudia Winiger.


